18.2.16 - Vor dem heute beginnenden EU-Gipfel treiben
Deutschland und mehrere weitere EU-Staaten verschiedene Pläne zur Hochrüstung
der Grenzen in Europa voran. Berlin setzt vorrangig auf die Abriegelung der
griechisch-türkischen Seegrenze und will dazu unter anderem deutsche Polizisten
an die türkische Küste entsenden. Ziel ist es, bei der Flüchtlingsabwehr den
Schengen-Raum unangetastet zu lassen; darauf besteht die deutsche Wirtschaft,
die bei einer dauerhaften Wiedereinführung von Grenzkontrollen ökonomische
Einbußen und womöglich sogar Rückgänge bei ihren lukrativen Exporten fürchtet.
Österreich und die ost- und südosteuropäischen EU-Staaten hingegen haben
begonnen, ihre eigenen Grenzen stärker zu befestigen, und schließen die
Abriegelung der griechischen Nordgrenze nicht aus. Auf der sogenannten
Balkanroute ist in diesen Tagen eine erste Rückschiebung meist afghanischer
Kriegsflüchtlinge im großen Stil vollzogen worden. Zugleich schlägt sich die
Hinwendung zu neuer Grenzhochrüstung in Europa in einer aufsehenerregenden
Entscheidung des Airbus-Konzerns nieder: Das deutsch-französische Unternehmen
revidiert seine Pläne zum Verkauf seiner Rüstungselektronik-Sparte und behält
das Geschäft mit der Grenzabschottung. Man rechne sich, heißt es, attraktive
neue Profitchancen aus … Die neue Ära der Grenzhochrüstung hat, wie gestern
bekannt wurde, den Airbus-Konzern zu einer aufsehenerregenden Kurskorrektur veranlasst.
Das deutsch-französische Unternehmen wird nicht, wie zunächst geplant, seine
komplette Rüstungselektronik-Sparte veräußern, sondern nur die Produktion von
Radarsystemen für Kriegsflieger und von Zielerfassungsgeräten für Panzer und
U-Boote abstoßen. Im Konzern verbleiben soll dagegen das
Grenzhochrüstungs-Geschäft. Airbus hat in den vergangenen Jahren die rund 9.000
Kilometer lange Außengrenze Saudi-Arabiens abgeriegelt und die Grenzen
Rumäniens und Algeriens abgeschottet. Die Firmenpalette umfasst, wie es in
einem Bericht heißt, unter anderem "die Lieferung von biometrischen
Einreisekontrollen, die Installation von Radarsystemen und elektronischen
Kameras oder auch den Aufbau von Kontrollzentren, die sämtliche Daten von den
Außenstationen speichern und auswerten". Airbus hält damit bereit, was die
EU und ihre Mitgliedstaaten zu benötigen meinen, um sich gegen die Massenflucht
aus den Ländern Afrikas und Asiens abzuschotten, die der Westen ökonomisch und
militärisch in den Ruin getrieben hat. Der Konzern kann mit ansehnlichen
Profiten rechnen.
Ulrich Friese: Airbus will künftig die Grenzen Europas
sichern. www.faz.net 17.02.2016.18.02.2016
12.02.2016
Die großen Mächte und ihre Kriege
Die Zahl der weltweiten Kriege und ihrer Opfer wird dieses
Jahr weiter steigen. Dies sagt ein einflussreicher Diplomat in der führenden
deutschen Außenpolitik-Zeitschrift voraus ... "Krieg ist auf dem
Vormarsch", heißt es in dem Beitrag: "Das zeigt der Blick zurück,
denn seit rund fünf Jahren steigt weltweit die Zahl der Konflikte und damit der
Opfer und der Flüchtlinge." Dies werde sich "wohl auch in diesem Jahr
fortsetzen, mit alten und neuen Kriegen". Tatsächlich haben Experten
bereits für 2014 einen Anstieg der Zahl der Todesopfer in den 20 blutigsten
Kriegen um 28 Prozent gegenüber 2013 auf mehr als 163.500 Tote festgestellt.
Die Tendenz hält an.
Zitate aus „Die großen Mächte und ihre Kriege“: www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59307
04.02.2016
„Weltmacht Europa“
Wolfgang Ischinger, der Leiter der Münchner
Sicherheitskonferenz (SiKo), die dieses Jahr am 12.-14.02.2016 stattfinden
wird, gab in
»Christ & Welt« (Ausgabe 6/2016) ein Interview, in dem er forderte:
„Die Europäische Union muss sich bei den kommenden Genfer Syrien-Gesprächen zum
zentralen Akteur aufschwingen […] Sie profitiert am meisten von einem
Kriegsende, oder sie trägt mit einem wachsendem Flüchtlingsstrom die Folgen des
Scheiterns.“ Der Honorarprofessor der Universität Tübingen weiter:
„Flüchtlingsprobleme an den Wurzeln anzugehen darf nicht nur heißen, der Türkei
Geld zu geben und Jordanien und dem Libanon Hilfe anzubieten. Sondern die Frage
muss lauten: Wie können wir jetzt, 2016, den syrischen Bürgerkrieg rasch
beenden?“ Seine Lösung lautet anscheinend: „Ich hoffe, dass auch die Linke
aufhört, Militäreinsätze zu verteufeln […] Europa hätte den Syrienkrieg in eine
andere Richtung lenken können, wenn man den bürgerlichen Widerstand unterstützt
hätte. Aber wir haben zugeschaut, wie die Extremisten auf allen Seiten immer
mehr Macht gewannen.“ Europa, so ist Ischinger überzeugt, „muss seine
militärische Macht stärken. Unsere Länder müssen fähig werden, einander
beizustehen, in Konflikten glaubhaft mit Intervention zu drohen und im
äußersten Fall Militär einzusetzen.“ Wer nicht dieser Ansicht ist und
Militäreinsätze auch weiterhin verteufeln möchte, kann sich gerne
beispielsweise auf sicherheitskonferenz.de
informieren. (mh)
Quelle: www.imi-online.de/2016/02/04/siko-ischinger-militaereinsaetze-verteufeln
Mit beeindruckender Deutlichkeit umriss die Bertelsmann Stiftung bereits im Jahr 2003 die wesentlichen Komponenten einer künftigen „Weltmacht Europa“ mit folgenden Worten: „Im Szenario Supermacht Europa wird das große Europa seinem objektiven Weltmachtpotential gerecht. Die Europäische Union nutzt ihre materiellen und institutionellen Ressourcen in vollem Umfang. Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Bevölkerungszahl, militärisches Potential und das europäische Wertesystem bieten ihr eine beachtliche Handlungsbasis. [...] Im Ergebnis einer Abtretung nationaler Souveränitätsrechte der Mitgliedstaaten an die EU entwickelt sich die Union zu einem umfassenden globalen Sicherheitsakteur. Die Etablierung einer Sicherheits- und Verteidigungsunion und vor allem der Aufbau der Vereinten Europäischen Strategischen Streitkräfte (VESS), die sich unter einem gemeinsamen europäischen Oberkommando des Atomwaffenpotentials Frankreichs und Großbritanniens bedienen können, verändern die internationale Rolle der EU. […] Die Supermacht Europa verabschiedet sich endgültig von der Idee einer Zivilmacht und bedient sich uneingeschränkt der Mittel internationaler Machtpolitik. […] Die sich stetig in Richtung einer Supermacht Europa entwickelnde Europäische Union erweist sich als ein äußerst offenes System, das auch im Prozess der Staatswerdung fähig ist, neue Mitglieder aufzunehmen. Damit ist die EU global das einzige System, das territorial kontinuierlich expandiert.“
Quelle: www.imi-online.de/2016/02/04/siko-ischinger-militaereinsaetze-verteufeln
Mit beeindruckender Deutlichkeit umriss die Bertelsmann Stiftung bereits im Jahr 2003 die wesentlichen Komponenten einer künftigen „Weltmacht Europa“ mit folgenden Worten: „Im Szenario Supermacht Europa wird das große Europa seinem objektiven Weltmachtpotential gerecht. Die Europäische Union nutzt ihre materiellen und institutionellen Ressourcen in vollem Umfang. Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Bevölkerungszahl, militärisches Potential und das europäische Wertesystem bieten ihr eine beachtliche Handlungsbasis. [...] Im Ergebnis einer Abtretung nationaler Souveränitätsrechte der Mitgliedstaaten an die EU entwickelt sich die Union zu einem umfassenden globalen Sicherheitsakteur. Die Etablierung einer Sicherheits- und Verteidigungsunion und vor allem der Aufbau der Vereinten Europäischen Strategischen Streitkräfte (VESS), die sich unter einem gemeinsamen europäischen Oberkommando des Atomwaffenpotentials Frankreichs und Großbritanniens bedienen können, verändern die internationale Rolle der EU. […] Die Supermacht Europa verabschiedet sich endgültig von der Idee einer Zivilmacht und bedient sich uneingeschränkt der Mittel internationaler Machtpolitik. […] Die sich stetig in Richtung einer Supermacht Europa entwickelnde Europäische Union erweist sich als ein äußerst offenes System, das auch im Prozess der Staatswerdung fähig ist, neue Mitglieder aufzunehmen. Damit ist die EU global das einzige System, das territorial kontinuierlich expandiert.“
Einleitung einer Analyse auf www.hintergrund.de/201601283831/politik/politik-eu/europas-militaerapparat.html
Eine Studie der imi-Informationsstelle Militarisierug e.V., „Imperialer Neoliberalismus: Syrien und die Europäische Nachbarschaftspolitik“: www.imi-online.de/download/IMI-Studie2012-12_web.pdf
Eine Studie der imi-Informationsstelle Militarisierug e.V., „Imperialer Neoliberalismus: Syrien und die Europäische Nachbarschaftspolitik“: www.imi-online.de/download/IMI-Studie2012-12_web.pdf
29.12.2015
Unsere Vergangenheit – unsere Zukunft?
Freihandels-, Privatisierungs- und Konditionsverträge wie
TTIP, CETA, TiSA & Co., Sonderwirtschaftszonen, Privat Partnerships, Landgrabbing,
Söldnerarmeen, Militarisierung, Rüstungsproduktion, Kriegshandlungen und Demokratieabbau
flankieren die ökonomische Rückwärts/Vorwärts-Strategie des sogenannten
Neoliberalismus. Mit diesen Maßnahmen werden Schritt für Schritt Bedingungen
geschaffen, wie sie um 1620 im Europa der erwachenden Neuzeit galten. Sein
Programm zur unbeschränkten Alleinmachtstellung kapitalistischer Wirtschaftsentfaltung
mit den Mitteln modernster Technik- und Profitwerkzeuge gleicht den Praktiken
der damaligen Magnaten und Oligarchien. Nicht, dass aus deren Geschichte
gelernt worden wäre. Nur so kann das Monster überleben.
Im Laufe des 17.
Jahrhunderts erhielt die Englische Ostindische Kompanie Schritt für Schritt die
Rechte, eine eigene Armee aufzubauen und nach Gutdünken Krieg zu führen, eigene
Münzen zu prägen, sowie die vollständige Gerichtsbarkeit im Straf- und
Zivilrecht „über alle Personen, die zu besagter Kompanie gehören oder unter ihr
leben“. Die Handelskompanien waren also staatenähnliche Gebilde mit
flottierenden Territorien. Sie wurden von einem Gouverneur regiert, der nicht
nur über seine Angestellten befehligte, sondern auch über alle Menschen in den
von der Kompanie eroberten Kolonien. In diesen Firmen war wirtschaftliche und
militärische Tyrannei in einer Hand gebündelt.
Ein Beispiel für das
Wirken dieser Kompanien außerhalb Europas ist der Völkermord an den Bewohnern
der Banda-Inseln … rückte die frisch gegründete Ostindien-Kompanie mit einigen
Tausend Söldnern an und veranstaltete ein Massaker auf den Inseln. Nach einem
Jahr hatten die Holländer ihr Monopol, während von den ursprünglich 15.000
Einwohnern nur noch 1000 übrig waren. Unterdessen blühte Amsterdam zur
reichsten Stadt Europas auf, berühmt für seine Kunst und Liberalität. Die
Shareholder der Kompanie machten sich bei den Verbrechen nicht selbst die
Finger schmutzig. Sie diskutierten stattdessen in feinsinnigen Kreisen die
Vorzüge von Malern … Das „goldene Zeitalter“ der Niederlande war zugleich eines
der finstersten Zeitalter in der indonesischen Geschichte. Der Aufstieg der
europäischen Zivilisation war gekoppelt an die Barbarei auf der anderen Seite
des Globus.
(Fabian Scheidler, in „Das Ende der Megamaschine –
Geschichte einer scheiternden Zivilisation“. Webseite: www.counter-images.de/megamaschine/index.html)
24.12.2015
Zweitausend Jahre
Plünderer des Erdballs, durchstöbern sie, nachdem den alles Verwüstenden die Länder fehlten, jetzt auch noch das Meer ... Stehlen, Morden, Rauben nennen sie mit falschem Namen Regierung, und wo sie eine Wüste schaffen, sprechen sie von Frieden.
Tacitus, Agricola, zirka 100 n. Chr.
Tacitus, Agricola, zirka 100 n. Chr.
15.12.2015
Die Terror-Indoktrination
Der Islam strebt nach der Weltherrschaft und ist eine
Terror-Religion? Das Kopftuch ist ein Symbol der Unterdrückung? Überall
zwischen uns leben „Schläfer“? In deutschen Moscheen werden Terroristen akquiriert?
Muslime bedrohen „unsere Werte“ und haben bereits qua Religion eine gefährliche
Neigung zu Gewalt? Glauben Sie etwas hiervon? Dann sind Sie womöglich Opfer
geheimdienstlicher Psychotechniken geworden. Ein Opfer, das nun in einem
Weltbild gefangen ist, mit dem es kaum mehr anders vermag als den
neokolonialen, kriegerischen Interessen der Mächtigen emotional Folge zu
leisten. Konkret also etwa die Mehrzahl der Armen der Welt pauschal als Terroristen
und einige der rohstoffreichsten Länder des Planeten als zu zivilisierende Horte der Barbarei
wahrzunehmen. Das legen zumindest die Erkenntnisse des Filmemachers Moritz
Enders nahe, dessen Dokumentation zur Verstrickung westlicher Geheimdienste in
das Attentat auf Johannes Paul II. soeben im ZDF zu sehen war.
Jens Wernicke von den Nachdenkseiten sprach mit ihm: www.nachdenkseiten.de/?p=29570#more-29570
07.12.2015
Terrorpolitik
Der Terror ist allgegenwärtig in den Medien und rechtfertigt
inzwischen nicht mehr nur eine immer größer werdende Zahl von Kriegen, sondern auch einen
immer weitreichenderen Demokratie-
und Grundrechteabbau und beispielsweise die Verwendung von
Notstandsgesetzen gegen
hunderttausende Protestierende.
Aus einem Interview mit Paul Schreyer (Publizist) über
Terror und systemischen Medien-Gleichklang:
» … es
ist für jeden halbwegs wachen Geist offenkundig, dass die großen Medien
zumindest bei den Hauptthemen wie Ukraine, Griechenland oder eben Terrorismus
tatsächlich mehr oder weniger das Gleiche schreiben. Es gibt da kaum noch
substanzielle Unterschiede zwischen ARD, ZDF, RTL, FAZ, TAZ, Spiegel, Stern
etc. Der Grundtenor bei den einzelnen Themen, vor allem bei außenpolitischen
Fragen, ist oft derselbe. Putin ist böse, Varoufakis unseriös, Staatsterror
bloß Verschwörungstheorie. Das finden Sie querbeet von Bild bis Süddeutsche … Mit
Terror wird Politik gemacht, überall, und eigentlich auch schon immer. Der
Abbau von Bürgerrechten ist das eine. Zugleich werden mit Terroranschlägen
weiterhin Kriege im Ausland legitimiert, die man sonst kaum durchsetzen könnte.
Wir erleben es ja gerade wieder. Kurz nach dem Blutbad in Paris schickt die
Bundeswehr Soldaten nach Mali und Tornado-Jets nach Syrien. Man sollte sich
dabei immer wieder klar machen, dass eine Unterscheidung zwischen Terrorismus
und Krieg völlig willkürlich ist. Der Krieg ist seinem Wesen nach eine Abfolge
von Terrorangriffen. Der „Krieg
gegen den Terror“ ist also zutreffender ein „Terror gegen den Terror“, oder
noch zutreffender häufig ein „Terror zur Erlangung von
Bodenschätzen“ … Einen Tag nach den Pariser Anschlägen wurde behauptet, man
kenne die Täter und inzwischen fragt kaum noch jemand nach einer detaillierten,
sauberen Aufklärung mit Fakten, Indizien, überprüfbaren Beweisen und
transparentem Strafprozess. Alles scheint längst geklärt, die Attentäter sind
tot oder verschwunden, die Entsendung von Militär als „Antwort“ nur noch
Formsache. Dabei sind auch
bei diesem Terroranschlag viele Fragen offen … Vielen fällt langsam ein
bestimmtes Schema auf. Immer, wenn ein großer Anschlag verübt wird, heißt es zuerst,
die Sicherheitsbehörden seien vollkommen überrascht worden. Schon 24 Stunden
später kennt man dann aber angeblich genau die Täter. Die präsentierte Lösung
ist auch immer dieselbe: Noch mehr Krieg im Ausland. Und häufig wurde am Tattag
ein ähnliches Szenario geübt. Ein bisschen viel Zufall für manchen Beobachter. «
Quelle und
das ganze Interview: www.nachdenkseiten.de/?p=29392#more-29392
22.11.2015
"Krieg gegen den Terror"
» Unmittelbar nach den Anschlägen auf das World Trade Center
hat die US-Regierung ihren "Krieg gegen den Terror" ausgerufen, mit
dem Ziel, die "Achse des Bösen" zu besiegen und die Zivilisation der
gesamten Welt zu verteidigen. Auch wenn die beiden genannten Leitbegriffe
mittlerweile aus der offiziellen Sprachregelung verschwunden sind, prägen sie
bis heute ganz wesentlich die US-Außenpolitik und damit das Weltgeschehen … Die
NATO-Partner sind in diesen Krieg mit eingestiegen, der sich sehr schnell auf
einige Staaten rund um den Nahen Osten fokussierte. Mit Verteidigungsetats, die
die Welt in dieser Größenordnung zuvor nie gesehen hatte, wurde unter anderem
in Afghanistan, im Irak und in Libyen massiv militärisch interveniert … Gerade
in diesen Tagen, 14 Jahre und mehr als eine Million Tote später, ist es
dringend geboten, die zentralen Fragen zu stellen: War die Strategie dieses
Anti-Terror-Krieges erfolgreich? Ist das Leben in der westlichen Welt durch die
unzähligen Militäroperationen und den Aufbau eines riesigen
Überwachungsapparates sicherer geworden? Haben sich Gemeinwohl und
demokratische Verfasstheit in den "Schurkenstaaten" nach Beseitigung
der Schurken verbessert?
Die Antworten kennt man sowohl in Washington als auch in den
europäischen Hauptstädten: Dieser Krieg hat es in keinem einzigen Punkt
geschafft, die Lebensqualität auf unserem Planeten zu verbessern, und das
Argument, dass wir durch ihn vor Schlimmerem bewahrt wurden, ist in keiner
Weise belegt. «
Willkürliches Töten
» Die im offiziellen Politsprech „chirurgisch“ genannten
Angriffe mittels umbenannter Fluggeräte sind nichts weniger als „genau“ oder
„präzise“. Der Narrativ, dass der Drohnenkrieg ziviles Leben schütze, weil er
exakt jene aus dem Verkehr ziehe, denen die Attacke gilt, ist nichts als eine
Lüge. Seit Langem befassen sich nicht staatliche Forscher und Journalisten mit
den Folgen des lautlosen Mordens, das mittlerweile gut dokumentiert ist. Das
Bureau of Investigative Journalism veröffentlichte
Studien zum Drohnenkrieg im Jemen, in Pakistan, Somalia und Afghanistan,
die Menschenrechtsorganisation Reprieve kalkulierte den „Collateral Damage“ des
gezielten Tötens: „Drohnenschläge wurden der amerikanischen Öffentlichkeit mit
der Behauptung verkauft, sie seien 'präzise'“, erklärt Jennifer
Gibson von Reprieve dem britischen Guardian. „Aber sie sind nur so präzise,
wie die Geheimdienstinformationen, die sie füttern. „Nach den geltenden Normen
des Kriegsrechtes sind viele der Drohnenangriffe einfach illegal, sind nicht zu
rechtfertigen, weil dort Menschen angegriffen werden außerhalb eines konkreten
Kampfgeschehens, also außerhalb eines bewaffneten Konfliktes“, bewertet
der Völkerrechtler Christian Tomuschat die Situation im Gespräch mit dem
Deutschlandfunk … In seiner programmatischen
Rede über die Kriegsführung mit Drohnen betonte US-Präsident Obama, dass
„unsere Handlungen legal“ seien, da sich die Vereinigten Staaten „im Krieg
befinden“, in einem weltweiten Krieg „mit einer Organisation, die so viele
Amerikaner töten würde, wie sie nur kann, wenn wir sie nicht zuerst stoppen“ … Die
nun
geleakten Dokumente zeigen auch, dass es nicht nur Taliban und
al-Qaida-Kämpfer sind, die etwa in Afghanistan auf den Todeslisten stehen. Es
handelt sich, wie Ryan Devereaux kommentiert, auch um „lokale Kräfte ohne jede
Ambition zu internationalem Terrorismus, Gruppen, die erst die Waffen gegen die
USA aufnahmen, nachdem die amerikanischen Luftschläge den Krieg an ihre
Türschwelle gebracht hatten.“ Der kürzlich vor den NSA-Untersuchungsausschuss
geladene US-Whistleblower Brandon Bryant, der selbst als Drohnen-Pilot tätig
gewesen war,
beschreibt den deutschen Beitrag zum Drohnenkrieg in einem Interview mit
dem ARD-Magazin Panorama als „absolut zentral“: „Alle Informationen und alle
Daten gehen durch Ramstein. Für alle Operationen weltweit. Auch für die CIA-Einsätze.“
… die Militärstützpunkte in Ramstein und Stuttgart sind die technische Klammer,
die Deutschland zum wichtigen Faktor bei den gezielten Tötungen macht“, kommentiert
Constanze Kurz in der FAZ. «
Der Westen als
besonders aggressiv-treibende Kraft
» Für das erste Halbjahr 2015 genehmigte die Bundesregierung
die Ausfuhr von Rüstungsgütern in Höhe von 178 Millionen Euro nach
Saudi-Arabien. An die Vereinigten Arabischen Emirate, das die meisten Soldaten
der Allianz stellt, lieferte Berlin in den ersten sechs Monaten dieses Jahres
Kriegsgerät im Umfang von 46 Millionen Euro, darunter Panzerhaubitzen,
Panzertransporter und dreitausend Maschinenpistolen … „Zuverlässigkeit und
Vertrauen“ seien „das oberste Gebot“, wenn es um deutsche Waffenlieferungen
gehe, erklärte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Ende Oktober auf
dem „Manama Dialog“ in Bahrain, der wichtigsten Sicherheitskonferenz im Nahen
Osten … Noch umfangreicher fallen die Waffenlieferungen Frankreichs aus. Im
April brachte Paris einen Deal über die Lieferung französischer Kampfjets an
Katar im Wert von über sechs Milliarden Euro unter Dach und Fach. Im Juni
folgte ein Investitionsabkommen mit Saudi-Arabien in Höhe von elf Milliarden
Euro … Am Montag gab das Pentagon ein weiteres milliardenschweres
Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien bekannt. Die Golfmonarchie werde für ihre
Luftwaffe mehr als neunzehntausend Bomben im Wert von 1,2 Milliarden Euro
kaufen. Offiziell dient das Geschäft dem Kampf gegen den Terror – welch Hohn
angesichts der Tatsache, dass Riad im Jemen Seite an Seite mit al-Qaida kämpft.
Der Westen unterstützt im Jemen keinen Krieg gegen den
Terror, sondern einen Terrorkrieg – der den Drahtziehern des Massakers an der
Charlie Hebdo-Redaktion zugutekommt … „Das Regime zu zerstören, bedeutet den
Staat zu zerstören“, so Landis. (12) Frankreich ist eine der führenden Mächte,
die den Sturz Assads anstreben, und damit einem chaotischen Machtvakuum den Weg
ebnen würden, von dem vor allem die Dschihadisten profitieren … Der Westen, und
Frankreich agierte hier als besonders aggressiv-treibende Kraft, hat sich in
den letzten Jahren – ob in Libyen, Syrien oder Jemen – zum Komplizen der
Dschihadisten gemacht, für deren Bekämpfung er gleichzeitig immer mehr seiner
identitätsstiftenden „Werte“ in Form bürgerlicher Freiheiten zu opfern bereit
ist. Das ist die düstere Wahrheit – die mit einer noch düsteren Erkenntnis
einhergeht: Wo die Brandstifter die Rolle der Feuerwehr übernommen haben, da
wird die Flamme des Terrorismus lange nicht erlöschen. «
Quelle / Der profunde Bericht: www.hintergrund.de/201511173751/politik/welt/paris-terror-is-coming-home.html
Barack Obama wird von
ehemaligen US-Soldaten für seinen Drohnenkrieg kritisiert.
Vier Ex-Mitglieder der US-Luftwaffe geben Barack Obama und
dem Drohnenkrieg eine Mitschuld am Terror. Sie bezeichnen das militärische
Vorgehen als „eine der verheerendsten Triebfedern“ des internationalen
Terrorismus. Durch den Drohnenkrieg würden unschuldige Zivilisten sterben. Dies
fördere Hassgefühle, die wiederum den terroristischen Gruppen Zulauf bescheren.
Das US-Vorgehen wäre vergleichbar mit einem „Rekrutierungsprogramm für
Terroristen“, so die vier ehemalige US-Drohnenpiloten in einem offenen Brief an
Obama, den der Guardian
veröffentlicht hat. «
07.11.2015
Rhetorik und Meinungsmache
Rhetorik der CSU
trägt zur Verrohung bei
» Sprache bestimmt unser Denken nicht, sie legt uns nur
bestimmte Denkweisen nahe. Aber da wir über viele Dinge eben nicht sorgfältig
nachdenken, spielt der Sprachgebrauch eine entscheidende Rolle … Das Wort
"Asylant" diente von Anfang an dazu, unerwünschte Asylsuchende von
den erwünschten abzugrenzen und als illegitim darzustellen – ähnlich, wie heute
unerwünschte "Wirtschaftsflüchtlinge" von legitimen
"Kriegsflüchtlingen" abgegrenzt werden sollen. Das Wort
"Asylant" findet sich von Anfang an in negativen Zusammenhängen – in
Kombinationen wie "illegale Asylanten", "kriminelle
Asylanten" und "Scheinasylanten". Diese negative Aura umgibt
jede Verwendung des Wortes – auch dort, wo es möglicherweise ohne böse Absicht
verwendet wurde
Wenn ich über Flüchtlinge als "Flut" oder
"Welle" spreche, lenke ich damit davon ab, dass es sich um Individuen
mit jeweils ganz eigenen Biographien handelt. Das Sprachbild der
"Welle" bringt – wie auch das von der "Last" – seine eigene
Logik mit: Wassermassen sind eine Bedrohung, und wir können sie sinnvollerweise
nur "eindämmen", "kanalisieren", "umleiten" oder
"abwehren" – und diese Vorstellung übertragen wir dann auf unser
Denken über Flüchtlinge … Sprachlich besonders unangenehm fallen aber schon
länger Horst Seehofer und andere CSU-Politiker auf – wir erinnern uns, wie
Seehofer schon 2010 davon sprach, Deutschland wolle nicht "Sozialamt für
die ganze Welt" werden und die Zuwanderung aus "anderen Kulturkreisen"
ablehnte, oder wie er 2011 Bayern "bis zur letzten Patrone" gegen
"Zuwanderer in die Sozialsysteme" verteidigen wollte. Die derzeitige
Rhetorik der CSU, die das Grundrecht auf Asyl infrage stellt und ständig von
"Obergrenzen" spricht, führt diese Verrohung des öffentlichen
Diskurses konsequent fort. «
Aus einem Interview
mit Anatol Stefanowitsch, Professor für Sprachwissenschaft an der Freien
Universität Berlin. Quelle und das ganze Interview: www.heise.de/tp/artikel/46/46481/1.html
Niedergang des
Journalismus
Aus einem Gespräch mit der mit dem Medienpreis bedachten
Journalistin Gaby Weber, die
unter anderem für die ARD als Auslandskorrespondentin tätig ist:
» Heute gibt es wenige sehr hoch bezahlte Redakteure und ein
Heer miserabel bezahlte Freie, die, wenn sie nicht vom Tellerrand fallen
wollen, ihre Berichte gemäß des Mainstreams abfertigen. Die Zensur findet im
eigenen Kopf statt … Warum werden ARD und ZDF nicht einer Qualitätskontrolle
unterzogen? Jeder kann da inzwischen den letzten Müll verbreiten, ohne dass das
Konsequenzen für ihn hat. Wir brauchen in diesen Häusern eine Instanz, die die
Vorwürfe der Manipulation untersucht und eine wahrheitsgemäße Berichterstattung
durchsetzt. Das ist auch zu stemmen. Aber in der Öffentlichkeit wird heute
jemand, der das Wort „Wahrheit“ auch nur in den Mund nimmt, lächerlich gemacht,
als jemand der immer noch nicht begriffen hat, dass der, der das Geld hat, auch
die Geschichte schreibt. «
Das Interview: www.nachdenkseiten.de/?p=28254
Gaby Weber,
Journalistin, arbeitete zuerst für den stern und ab 1981 für die ARD. Seit 1985
ist sie freiberuflich als Südamerika-Korrespondentin tätig. Ihre Homepage ist www.gabyweber.com
Meinungsmache
bestimmt wesentlich die politischen Entscheidungen
Albrecht Müllers (nachdenkseiten.de)
Vortrag in Kiel:
„An verschiedenen
Kampagnen wird gezeigt, wie politische Entscheidungen zu Gunsten großer
Interessen zustande kamen und kommen. An einigen einschlägigen Beispielen
konnte und kann ich belegen, dass solche Kampagnen langfristig geplant und
intensiv begleitet sind. – Im Video sind leider einige meiner über PowerPoint
präsentierten Folien nicht deutlich zu erkennen. Deshalb hängen wir hier meine PowerPoint-Präsentation
als PDF an. Diese können Sie vielleicht sogar für Ihre eigene
Aufklärungsarbeit gebrauchen. Sie dürfen Sie gerne übernehmen und nutzen, auch
ohne Rückfrage.“
Zur Quelle mit dem Virtragsvideo: www.nachdenkseiten.de/?p=28283
06.11.2015
USA schickt Sondereinsatzkräfte in 147 Länder
Intercept berichtet: „Die Entsendung der Sondereinsatzkräfte
nach Syrien fällt in eine Zeit, in der der Einsatz von Amerikas Eliteeinheiten
auf der ganzen Welt ausgeweitet wird. Laut dem Sprecher des Special Operations
Command (SOCOM), Ken McGraw, waren im gerade zu Ende gegangenen Haushaltsjahr
US-Sondereinsatzkräfte – unter anderem Army Green Berets und Navy SEALs – in
der erschütternd hohen Anzahl von 147 Ländern im Einsatz. Übersetzt bedeutet
diese Zahl eine Präsenz der Special Operations Force (SOF) in 75 Prozent aller
Nationen auf dem Planeten und einen Anstieg des Einsatzes von 145 Prozent seit
den letzten Tagen der Bush-Regierung. An jedem Tag des Jahres sind die meisten
Elitetruppen Amerikas in 70 bis 90 Ländern zu finden.“
Quelle und der ganze Bericht: http://www.nachdenkseiten.de/?p=28233#more-28233
29.10.2015
Wenn mediales Chaos die Köpfe regiert
» Erneut
bestätigt eine repräsentative Umfrage, dass viele Menschen der Presse nicht
(mehr) vertrauen. 44 Prozent der Bundesbürger stimmen laut einer aktuellen
repräsentativen Umfrage demnach der Aussage zu, dass Medien "von oben
gesteuert" werden und "geschönte und unzutreffende Meldungen" bringen. «
Quelle und Bericht: www.heise.de/tp/artikel/46/46407/1.html
Der Stern-Report: www.stern.de/politik/deutschland/pegida--luegenpresse-vorwurf-teilen-44-prozent-der-deutschen---forsa-umfrage-fuer-den-stern-6524244.html
» Ein Bündnis begabter Verschwörungstheoretiker, getragen von Wittener SPD und Jusos, Wittener Bündnis90/Die Grünen und sogar der ehemals zensurkritischen Piratenpartei NRW, fordert von der privaten Universität Witten-Herdecke die Ausladung des Schweizer Historikers Dr. Daniele Ganser, der am Donnerstag dort einen Vortrag über Medienkritik halten soll. Außerdem fordern die Wittener Verschwörungstheoretiker Distanzierung von Gansers "Thesen" …
» Ein Bündnis begabter Verschwörungstheoretiker, getragen von Wittener SPD und Jusos, Wittener Bündnis90/Die Grünen und sogar der ehemals zensurkritischen Piratenpartei NRW, fordert von der privaten Universität Witten-Herdecke die Ausladung des Schweizer Historikers Dr. Daniele Ganser, der am Donnerstag dort einen Vortrag über Medienkritik halten soll. Außerdem fordern die Wittener Verschwörungstheoretiker Distanzierung von Gansers "Thesen" …
„Fakten, Meinungen, Propaganda - Wie mache ich mir selbst
ein Bild?“ lautet der Titel des Vortrags von Dr. Daniele Ganser. Dr. phil.
Daniele Ganser ist spezialisiert auf Zeitgeschichte seit 1945 und
internationale Politik. Seine Forschungsschwerpunkte sind Friedensforschung,
Geostrategie, verdeckte Kriegsführung, Ressourcenkämpfe und Wirtschaftspolitik.
Er unterrichtet an der Universität St. Gallen zur Geschichte und Zukunft von
Energiesystemen und an der Universität Basel Konfliktanalysen und globalen
Kampf ums Erdöl. Er leitet das Swiss Institute for Peace and Energy Research
(SIPER) in Basel. Im Dezember 2014 hielt Ganser einen vielbeachteten Vortrag
zum Thema: Medial vermittelte Feindbilder und die Anschläge vom 11. September
2001 an der Universität Tübingen, der auf Youtube bislang 436.000 Mal geklickt
wurde. «
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/46/46404/1.html
Interview mit David Hornemann von Laer, Kunstwissenschaftler und Wahrnehmungsforscher an der Uni: http://www.heise.de/tp/artikel/46/46412/1.html
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/46/46404/1.html
Interview mit David Hornemann von Laer, Kunstwissenschaftler und Wahrnehmungsforscher an der Uni: http://www.heise.de/tp/artikel/46/46412/1.html
Sechs Wege um Falschmeldungen zu entlarven: » Im
digitalen Zeitalter verbreiten sich Nachrichten schneller als uns lieb ist.
Leider kann man die Falschmeldungen unter ihnen kaum noch erkennen … Es ist
nicht länger ausreichend, die Nachrichten zu lesen – nun wollen wir auch die
Prozesse dahinter verstehen. Glücklicherweise gibt es ein paar recht effektive
Verifikationstechniken, die weder Fachwissen noch teure Software benötigen. Im
Folgenden sind sechs frei verfügbare, einfache Werkzeuge aufgeführt, die jeder
neugierige Nachrichtenleser nutzen kann, um digitale Medien zu überprüfen: «
» Nach den
Snowden-Enthüllungen handeln viele Nutzer Mesh-Netzwerke als sichere
Alternative gegen die Überwachung, doch sind die dezentralen Netze tatsächlich
sicher? Es gibt nur einen sicheren Weg, wie man seinen Computer vor den
neugierigen Blicken der Geheimdienste schützen kann: Offline bleiben.
Allerdings ist diese Strategie in der vernetzten Gegenwart nahezu unmöglich von
der Theorie in die Praxis zu übertragen. Es gibt aber auch andere Alternativen,
wie etwa Mesh-Netzwerke. In Griechenland und Spanien haben sich bereits große
dezentrale Netzwerke etabliert … «
28.10.2015
Morden auf Knopfdruck
Die Enthüllungsplattform The Intercept veröffentlicht
geleakte Dokumente über Obamas Drohnenkrieg. Zitierte Aussagen aus dem Artikel Von
Thomas Eipeldauer:
„Für den Tod eines
Mannes, den praktisch kein Amerikaner überhaupt kennt, töteten die USA 128
Menschen, darunter 13 Kinder.“
„Nach den geltenden Normen des Kriegsrechtes sind viele der Drohnenangriffe
einfach illegal, sind nicht zu rechtfertigen, weil dort Menschen angegriffen
werden außerhalb eines konkreten Kampfgeschehens, also außerhalb eines
bewaffneten Konfliktes.“
„In der komplexen Welt des ferngesteuerten Tötens an
entfernten Orten, ist es eine gängige Praxis, Tote als 'Feinde' zu labeln, bis
das Gegenteil bewiesen ist.“
„Alle Informationen und alle Daten gehen durch Ramstein. Für
alle Operationen weltweit. Auch für die CIA-Einsätze.“
Quelle und der ganze Bericht: www.hintergrund.de/201510223717/globales/kriege/morden-auf-knopfdruck.html
21.10.2015
Schon wieder: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“
Deutschland lebte
vom Auto- Export – Deutschland lebt vom
Waffen-Export. Wir dulden es, denn Arbeitsplätze gehen uns über alles. Deutsche
Arbeiter produzieren den Tod für Menschen im Ausland – freiwillig, nicht als
Zwangsarbeiter. Die Waffenexporte machen Rüstungsprofiteure reich. Die
bedrohten Menschen fliehen vor Elend, Not, Terror und Tod in die Länder, in
denen Frieden herrscht. Nach Deutschland, wo jene Waffen und die Munition
hergestellt werden.
Eigentlich, ja eigentlich, müssten sie an diese Orte ihrer
Fluchtursache kommen, um die Waffenfabriken zu zerstören, die ihre Leben ruinieren.
Und uns Staatsbürger der Strafverhinderung und die Rüstungsfabrikanten des
Massenmords vor Gericht anklagen. Ein globales Kriegsverbrecher-Tribunal könnte
dem mörderischen Treiben ein Ende setzen.
Eigentlich … müsste … könnte …!?
„Der Militärisch-industrielle Komplex ist die größte
Bedrohung für den Weltfrieden in unserer Zeit“. Kriege beginnen mit Lügen, die
von Geheimdiensten verbreitet gestreut und von den Medien dann verbreitet
werden. Kriege lösen keine Konflikte, sondern schaffen neue. Aber Kriege
sichern auch Rohstoffe, erschließen Märkte und bringen Profit. Ist es wohl
möglich, dass hinter all den nachweislichen Kriegslügen der letzten Jahre und
Jahrzehnte sowie dem darauf initiierten Morden, das uns stets aufs Neue als
„Notwehr“, „Menschenfreundlichkeit“ oder „Kampf für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte“
schmackhaft gemacht wurde, und das oftmals Plänen folgte, die bereits seit
Jahren oder Jahrzehnten in den Schubladen der Mächtigen lagen, sehr konkrete
Interessen und Akteure stehen, die strategisch agieren und in der Lage sind,
Kriege anzuheizen und initiieren? Folgt die Kriegslogik also auch einer Profit-
und Interesselogik, die zu bestimmten Instanzen zurückzuverfolgen ist?
Zu
diesen Fragen sprach Jens Wernicke mit Mohssen Massarrat, Mitglied im Wissenschaftlichen
Beirat von Attac: www.nachdenkseiten.de/?p=28017
Im ersten Halbjahr 2015 hat die Bundesregierung wohl fast so
viele Waffenexporte genehmigt wie im gesamten Jahr 2014. Waffen im Wert von
rund 6,5 Milliarden Euro durften demnach bereits exportiert werden.
„Händler des Todes: Nach den USA, Russland und China ist
Deutschland weltweit der viertgrößte Großwaffenexporteur. Beim Handel mit
Kleinwaffen steht die Bundesrepublik nach den USA sogar an zweiter Stelle … Unser
Ziel: Im Grundgesetz Artikel 26.2 soll es künftig heißen: »Kriegswaffen und
sonstige Rüstungsgüter werden grundsätzlich nicht exportiert.« (mehr dazu hier). Mehr als 95.000 Unterschriften dafür
haben wir bereits an Bundestagsvizepräsidentin Edelgard Bulmahn übergeben.
Jetzt befasst sich der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages mit dieser
Forderung. Unsere Friedensarbeit lohnt sich: In Umfragen sprechen sich mehr als
60 Prozent der Menschen in Deutschland gegen den Export von Waffen und
sonstigen Rüstungsgütern aus.“
Quelle und Bericht: www.aufschrei-waffenhandel.de/Forderungen-Ziele.65.0.html
Quelle und Bericht: www.aufschrei-waffenhandel.de/Forderungen-Ziele.65.0.html
Kampagne gegen Rüstungsexport: http://www.aufschrei-waffenhandel.de
Unterschriftenaktion „Export von Kleinwaffen und Munition
stoppen!“: www.aufschrei-waffenhandel.de/Aktuelle-Aktionen.389.0.html#c6915
20.10.2015
Videospiele, Militär und Rüstungsindustrie
» Im Gegensatz zu den unternehmerisch handelnden Videospiel-Herstellern
verfolgt das Militär vielfältige politische Ziele - je nach Land und Führung.
So sind zwar fast alle nord-amerikanischen und europäischen Staaten in der NATO vereint und haben
übergreifende militärische Interessen, dennoch unterscheiden sich die Aufgaben
und politischen Zielsetzungen des nationalenMilitärs in den NATO-Staaten im Detail nicht selten: So ist
die deutsche Militärpolitik trotz ihres Ausbaus in den letzten zwanzig Jahren
im Gegensatz zur französischen und noch viel mehr zur US-amerikanischen
Militärpolitik noch immer als relativ zurückhaltend zu bezeichnen. Auch bei der
Art und Weise der Zusammenarbeit der verschiedenen Armeen mit Videospiel-Herstellern
gibt es - wie in dieser Arbeit gezeigt wird - Unterschiede. Militär darf dabei
nicht als homogene Gruppe verstandenwerden: Der Pluralismus des in dieser Arbeit betrachteten
westlichen Militärs ist jedoch nicht sehr groß.
Die offensichtlichsten Interessen des „Militärs“, die Produktion
von Videospielen zu unterstützen, sind aber immer gleich und bestehen aus zwei
Aspekten: Durch eine positive Darstellung in Videospielen erhofft es sich -
erstens - Zustimmung für sich als Organisation und die eigenen realen Einsätze
sowie - zweitens - neuen Nachwuchs. Diese beiden Interessen werden gerade in
Zeiten mangelnder Rekruten und zunehmender Auslandseinsätze sowohl von der
deutschen Bundeswehr als auch der US-Army und anderen westlichen Armeen
verfolgt.
Wobei Kooperationen von Videospiel-Herstellern und dem
Militär fast nur - aber nicht ausschließlich - mit der US-Armee stattfinden, was
schlicht daran liegt, dass die allermeisten großen Videospiel-Unternehmen in
den USA angesiedelt sind und in Spielen, die Krieg und Militär thematisieren,
die US-Armee so gut wie immer ein Akteur auf dem virtuellen Schlachtfeld ist. «
Quelle und die ganze Studie: http://www.imi-online.de/download/IMI-Studie2015-09.pdf
Quelle und die ganze Studie: http://www.imi-online.de/download/IMI-Studie2015-09.pdf
IMI-Studie - 9/2015: „Die Verbindungen zwischen der
Videospielbranche, dem Militär und derRüstungsindustrie“ von Michael Schulze von Glaßer. Hsg.: Informationsstelle
Militarisierung (IMI) e.V. - Hechinger Str. 203 - 72072 Tübingen
09.10.2015
„Jeder Krieg wird an der ‚Heimatfront‘ medial verkauft“
Dass das erste Opfer des Krieges stets die Wahrheit ist –
diese Weisheit firmiert seit Langem als geflügeltes Wort im deutschsprachigen
Raum und ist durch vielerlei vortreffliche Recherchen, die ein trauriges Bild
der Funktion unserer Massenmedien zu Kriegs- und Krisenzeiten zeichnen, belegt.
Dass es um diese auch allgemein nicht sonderlich gut bestellt ist, haben
unlängst etwa Walter van Rossum („Ja, lügen die Medien denn nun oder nicht?“)
und Eckart Spoo („Keine Demokratie ohne Demokratisierung der Medien!“) in
NachDenkSeiten-Interviews skizziert. Was aber tun? Wie entrinnen wir der
Propaganda und Feindbildproduktion? Zu diesen Fragen sprach Jens Wernicke mit
dem Schweizer Friedensforscher Daniele Ganser, der in einigen Tagen in Berlin
unter dem Titel „Medienkompetenz: Wie funktioniert Kriegspropaganda und was
kann man dagegen tun?“ referiert.
Quelle: www.nachdenkseiten.de/?p=27860
Daniele Ganser
(Dr. phil.) ist Schweizer Historiker, spezialisiert auf Zeitgeschichte seit
1945 und Internationale Politik. Seine Forschungsschwerpunkte sind
Friedensforschung, Geostrategie, verdeckte Kriegsführung, Ressourcenkämpfe und
Wirtschaftspolitik. Er unterrichtet an der Universität St. Gallen (HSG) zur
Geschichte und Zukunft von Energiesystemen und an der Universität Basel im
Nachdiplomstudium Konfliktanalysen zum globalen Kampf ums Erdöl. Er leitet das
Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER) in Basel.
Medienkompetenz: Wie funktioniert
Kriegspropaganda und was kann man dagegen tun?
Welche Funktion erfüllen die Medien in der Demokratie? Sind sie
wirklich, wie es gemeinhin heißt, die „Vierte Gewalt“ im Staat, die Regierungen
und Mächtige im Sinne der Bürger kontrolliert? Oder dienen sie vielmehr, wie
etwa Noam Chomsky argumentiert, der Fabrikation gewünschter Einstellungen und
Gedankengebäude, verbreiten also Propaganda im Sinne der Herrschenden?
Der Schweizer Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser
argumentiert, dass Medien beides sind. Einerseits liefern sie kritische Informationen und informieren die
Bürger. Andererseits verbreiten sie aber auch Lügen und Kriegspropaganda. In
diesem medialen Durcheinander ist guter Rat teuer. Wie kann man die Spreu vom
Weizen trennen?
Daniele Ganser beantwortet diese Frage, indem er
offenlegt, wie Kriegspropaganda wirkt und was gegen sie getan werden kann. Er
zeigt erstens, welche neuen Möglichkeiten das Internet jedem für eigene Recherche
bietet. Danach blickt er anhand konkreter historischer Beispiele aus den
letzten 25 Jahren kritisch auf die Leitmedien. Vom Krieg um Kuwait 1990 über
die Terroranschläge vom 11. September 2001 bis hin zum Krieg in der Ukraine
2014 stellen sich dabei stets dieselben Fragen: Wurden wirklich alle Fakten
benannt? Wurden ausnahmslos alle wichtigen Fragen gestellt? Gingen die Medien
dabei auch kritisch mit den Mächtigen des eigenen Landes um? Und: Entsprechen
die Geschichten, die sie über Kriegsbeginn und -ursachen jeweils zeichneten,
überhaupt der Realität – oder stellen diese vor allem „Narrative“ dar, innert
derer Gedanken, Moral und Entscheidungen der Bevölkerung absichtsvoll in die
ein oder andere Richtung gelenkt worden sind?
Veranstaltung Ende Oktober zum Thema „Medienkompetenz: Wie
funktioniert Kriegspropaganda und was kann man dagegen tun?“ Vortrag von Dr.
Daniele Ganser: Medienkompetenz in Europa und US-Imperium - Ein kritischer
Rückblick 14 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001
Noch Karten zum Zusatztermin am Sonntag, den 25.10.2015
13:45 – TICKET-ONLINE – Einlass: 13:30, Beginn: 13:45.
Ort: BABYLON, Rosa-Luxemburg-Str.
30, 10178 Berlin.
Ganser zeigt, dass wir in einem
„Informationskrieg“ leben. Die wissenschaftliche Analyse kontextualisiert er
dabei mit seinen persönlichen Erfahrungen mit den Medien. Sein Ziel ist die
Förderung von Medienkompetenz und hierdurch innerer Freiheit bei seinen
Zuhörern. Denn, wie bereits Alfred Sturminger in seinem Klassiker „3000 Jahre
politische Propaganda“ schrieb: „Jede Macht [die Propaganda] aber findet ihre
Grenzen an der inneren Freiheit des Menschen, sich für oder gegen etwas zu
entscheiden. Und mit dieser inneren Freiheit ist jeder Mensch von Natur aus
ausgestattet.“
27.09.2015
"Frieden ist eben schlecht fürs Geschäft"
(Auszüge aus einem Interview auf Telepolis): Die ehemaligen
US-Geheimdienstmitarbeiter Murray und McGovern über Whistleblower, Einfluss von
Geheimdiensten auf politische Entscheidungen und Drohnenkriege. Ray McGovern
(75) und Elizabeth Murray (55) haben jeweils fast dreißig Jahre als hochrangige
Analysten bei der CIA und anderen US-amerikanischen Sicherheitsdiensten
gearbeitet. Murray war Offizierin im National Intelligence Council und auf den
Nahen und Mittleren Osten spezialisiert. McGovern war als Mitarbeiter der CIA
unter sieben US-Präsidenten für die morgendliche Berichterstattung im Weißen
Haus zuständig und auf die Sowjetunion spezialisiert; davor war er im
US-Konsulat in München Verbindungsmann zum BND. Beide sind nun als Mitglieder
der Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS) in der US-Friedens-
und Bürgerrechtsbewegung aktiv. Sie
gehören zum engen Kreis der Unterstützer von Edward Snowden und anderen
Whistleblowern in den USA.
Ray McGovern war Mitverfasser eines offenen Briefes an
Bundeskanzlerin Angela Merkel, um sie davor zu warnen, die Ukraine-Politik
mit falschen Behauptungen zu begründen, die von Geheimdiensten produziert
wurden. Er unterzeichnete einen weiteren offenen Brief an Bundeskanzlerin
Merkel, in dem sie aufgefordert wurde, alles zu tun, um die Drohnenmorde der
US-Regierung zu stoppen. Die US Airbase in
Ramstein in Deutschland spielt eine wesentliche Rolle. Ein großer Teil des
Drohnenkrieges läuft über diesen Stützpunkt ab.
Ray McGovern: Deutsche
wissen nicht, dass es ohne Ramstein keinen Drohnenkrieg geben kann. Es ist ein
Zufall, dass wir dort eine Basis haben. Aber es ist souveräner deutscher Boden.
Und die Bundesregierung tut so, als wisse sie nicht, was in Ramstein vor sich
geht - wo sie es doch im "Spiegel" nachlesen kann. Die Bundesregierung
benimmt sich also immer noch - nach 70 Jahren - wie ein Teenager gegenüber
Washington. Das ist weder gut für die deutsche Bevölkerung noch für die USA.
Wir brauchen jemanden, der von uns Rechenschaft verlangt, weil die Medien der
Öffentlichkeit nicht sagen was los ist … Hoffentlich kommen die Menschen wieder
zur Besinnung und sagen: Lasst uns sehen wie wir das Ding lösen können, ohne
die Menschen in halb Syrien mit Drohnen zu töten.
Elisabeth Murray:
… ich vermute, dass der Mangel an Krieg beziehungsweise der Frieden schlecht
ist für das Geschäft, schlecht für die Kriegsmaschine, schlecht für die
Hersteller von Drohnen, schlecht für jene, die vom Verkauf von Rüstungsgütern
profitieren. Ich denke, dass auch die Analytiker sehr besorgt sind, dass das
amerikanische Volk nicht die Wahrheit erfährt. Es ist keine gute Entwicklung
und zeigt, dass unsere Regierung den Status quo wahrt. Ich denke, unterm Strich
ist Frieden eben schlecht fürs Geschäft.
Quelle und das ganze Interview: www.heise.de/tp/artikel/46/46092/1.html
Das Interview als Video: https://youtu.be/SQI0m4Ue5mE
Neue Atombomben in Deutschland
N-tv
berichtet unter Berufung auf Frontal21, aktuell würden im Rahmen der sog.
Nuklearen Teilhabe auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel (Rheinland-Pfalz)
Vorbereitungen für die Stationierung neuer US-Atombomben beginnen. Es gehe
insgesamt um 20 neue B61-12 mit der 80fachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe,
die im Ernstfall in deutschen Tornados zum Einsatz gebracht werden könnten. Darüber
hinaus bezahle auch Deutschland einen Anteil an der „Modernisierung“: „Während
die USA die Integration der Waffen in deutsche Tornados zahlen, modernisiert
das Verteidigungsministerium für 112 Millionen Euro die Landebahn und das
Instrumentenanflugsystem in Büchel.“ (jw)
14.09.2015
Die Sachfragen vernebeln
Aus einer warnende Analyse des Kieler Psychologen Professor
Dr. Rainer Mausfeld:
» Die deutschen Linken haben ja seit je eine besondere Neigung, einen „Narzißmus der kleinen Differenzen“ (Freud) zu pflegen und einen Großteil ihrer Energie auf Ausgrenzungs- und Abgrenzungsarbeit zu verwenden – eine recht erfolgreiche Selbst-Zersetzungsarbeit, die den Eliten ermöglicht, sich behaglich in einen Narzißmus der großen Differenzen zum Rest der Bevölkerung einzurichten. Das Denunziantentum – vor allem in der Anonymität sozialer Netzwerke – scheint mir mittlerweile jedoch noch eine andere, neue Qualität zu haben. Hier scheint der Humus bereitet zu werden für eine Art von Astroturfing (Wikipedia zu Astroturfing, A.M.) – ((künstliche/erfundene Graswurzelbewegungen vorgaukeln)) –, das darauf zielt, die eigentlich relevanten gesellschaftlich-politischen Sachfragen zu verdunkeln und zu vernebeln und soziale Bewegungen, die den Zentren der Macht gefährlich zu werden drohen, gleichsam von Innen zu vergiften und für die Öffentlichkeit zu diskreditieren. Das ist sicherlich die kostengünstigste und wirksamste Form der ‚Aufstandsbekämpfung‘. Es wäre daher überraschend, wenn solche Techniken, soziale Bewegungen durch systematische Infusion geeigneter Vorwurfsgifte gleichsam von Innen zu zersetzen, nicht systematisch verfeinert würden. – In jedem Fall erscheint mir dies ein sehr ernsthaftes Problem zu sein, von dem alle sozialen Bewegungen in Zukunft zunehmend bedroht sein werden. «
» Die deutschen Linken haben ja seit je eine besondere Neigung, einen „Narzißmus der kleinen Differenzen“ (Freud) zu pflegen und einen Großteil ihrer Energie auf Ausgrenzungs- und Abgrenzungsarbeit zu verwenden – eine recht erfolgreiche Selbst-Zersetzungsarbeit, die den Eliten ermöglicht, sich behaglich in einen Narzißmus der großen Differenzen zum Rest der Bevölkerung einzurichten. Das Denunziantentum – vor allem in der Anonymität sozialer Netzwerke – scheint mir mittlerweile jedoch noch eine andere, neue Qualität zu haben. Hier scheint der Humus bereitet zu werden für eine Art von Astroturfing (Wikipedia zu Astroturfing, A.M.) – ((künstliche/erfundene Graswurzelbewegungen vorgaukeln)) –, das darauf zielt, die eigentlich relevanten gesellschaftlich-politischen Sachfragen zu verdunkeln und zu vernebeln und soziale Bewegungen, die den Zentren der Macht gefährlich zu werden drohen, gleichsam von Innen zu vergiften und für die Öffentlichkeit zu diskreditieren. Das ist sicherlich die kostengünstigste und wirksamste Form der ‚Aufstandsbekämpfung‘. Es wäre daher überraschend, wenn solche Techniken, soziale Bewegungen durch systematische Infusion geeigneter Vorwurfsgifte gleichsam von Innen zu zersetzen, nicht systematisch verfeinert würden. – In jedem Fall erscheint mir dies ein sehr ernsthaftes Problem zu sein, von dem alle sozialen Bewegungen in Zukunft zunehmend bedroht sein werden. «
Quelle: www.nachdenkseiten.de/?p=27333
04.09.2015
WEISSE WÖLFE
Eine grafische Reportage über den rechten Untergrund –
erschienen auf „correctiv.org“
„Die Stadt Dortmund tief im Ruhrgebiet hat eine der
vitalsten Neonazi-Szenen Deutschlands. Die Gewalttäter haben hier Familien aus
ihren Häusern vertrieben. Sie haben im Laufe der Jahre mehrere Menschen
umgebracht. Und heute ziehen sie mit Fackeln vor Flüchtlingsheime und schicken
Journalisten Todesanzeigen. Wir sind ihren Spuren gefolgt … Heute bin ich
sicher, es gibt viele Gruppen wie den NSU. Vielleicht nicht so tödlich. Aber
genauso zur Gewalt bereit … Eigentlich wollten wir die Reportage über die
internationalen Verflechtungen der Nazibanden zusammen mit einer großen
deutschen Tageszeitung veröffentlichen. Doch deren Juristen hatten unter
anderem Angst, die Zitate aus den Turner-Tagebüchern, die wir veröffentlichen,
würden die Reportage angreifbar machen. Die Turner-Tagebücher sind seit Jahren
in Deutschland verboten. Wir veröffentlichen unsere grafische Reportage
trotzdem. In unserer grafischen Reportage setzen wir uns mit den Inhalten der
Turner-Tagebücher kritisch und intellektuell, künstlerisch und erzählerisch
auseinander. Wir beschreiben – auch auf einer emotionalen Ebene – ihre Wucht
und ihre Wirkung. Sie sind das ideologische Fundament des rechten
Rassenterrorismus in Europa. Wir glauben: Wir können dieses Fundament nur
enthüllen, wenn wir einige, wenige Absätze aus den verbotenen Tagebüchern auch
zitieren – ohne Angst vor Verfolgung. Wir hätten versuchen können, andere
Zeitungen und Internetpublikationen zu überreden, die grafische Reportage nach
der ersten Absage zu drucken. Wir glauben aber, dass wir immer wieder ähnliche
Debatten mit Anwälten bekommen hätten. Aus diesem Grund stellen wir unsere grafische
Reportage frei ins Netz.“
Die Reportage als Comic: http://weisse-woelfe-comic.de/lesen/#1Quelle: https://correctiv.org
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